SVP-Kandidat Jean-Pierre Gallati hat in seiner „Regierungserklärung“ einige bemerkenswerte Vorschläge gemacht, die zeigen, dass er sich für die Materie interessiert, und die es wert sind geprüft zu werden.

Ergänzend zur unabhängigen Beurteilung durch Susanne Hochuli, die auf den Rahmen fokussiert, kann ja eine Zweitmeinung, die sich mit dem eigentlichen Inhalt auseinandersetzt, nie schaden …

  • Mengenbegrenzung bei Operationen: Die nicht budgetierten Operationen werden dann einfach ausserkantonal gemacht, oder es werden mehr Schmerzmittel verschrieben und geschluckt – wo das hinführt sehen wir in den USA, die eine Epidemie von Todesfällen beklagen infolge ärztlich verschriebener Opioide wie z.B. Oxycodon. Allenfalls wandert der eine oder andere Spezialist, die eine oder andere Spezialistin in einen anderen Kanton aus. Nicht wirklich ein Gewinn für den Kanton Aargau, sondern ein Verlust an Wertschöpfung. Fazit: Das geht nur gemeinsam mit den anderen Kantonen. Ein Sololauf ist kontraproduktiv.
    Meine Alternativen: Zweitmeinungen, Indikationenboards und natürlich Café Med, bald auch im Aargau!
  • Finanzielle Anreize für Spitäler, die wirtschaftliche Vorgaben erfüllen: Ist ein erfolgreiches Spital eines, das 10% EBITDA-Marge erwirtschaftet, koste es die Krankenkassen und den Staat, was es wolle? Oder eines, das konsequent „ambulant vor stationär“ umsetzt, den Staatshaushalt ent-, die Krankenkassen belastet und bei den aktuellen Tarifen Defizite schreibt? Oder ein Spital, das geschlossen wird und kein Heu mehr frisst?
    Meine Alternativen: Komplexe Leistungen nur noch an einem Standort anbieten, Grundversorgungsleistungen im günstigen Regionalspital erbringen, Mut zur Lücke bei Angeboten, die teure Vorhalteleistungen erfordern und ausserkantonal günstiger eingekauft werden können!
  • Behandlungen bei Patienten zu Hause: Das gibt es ja bereits und heisst Spitex oder Mobile Ärzte. Aber dann bitte nicht klagen, dass genau diese Anbieter anteilsmässig am meisten wachsen und Mehrkosten generieren, im Fall der Spitex auch für die Gemeinden als Restkostenfinanzierer!
    Meine Alternativen: Behandlungen in Netzwerken, wo zusammengearbeitet wird und Doppelspurigkeiten systematisch ausgemerzt werden – zu Hause oder in nahegelegenen, niederschwelligen Gesundheitszentren v/o Hausarztpraxen, Regionalspitälern oder entsprechend eingerichteten Pflegeheimen, wenn es zu Hause vorübergehend schwierig wird.
  • Einheitskrankenkasse für Asylbewerber: Die Krankenversicherung für die AsylbewerberInnen wird ja periodisch ausgeschrieben, alle sind bei der gleichen Kasse, was die Abläufe vereinfacht und in der Tat Kosten spart.
    Meine Alternative: Wenn schon eine Einheitskasse angeblich Kosten spart, dann bitte FÜR ALLE: Was sind schon 35’000 Asylbewerber gegenüber 7 Mio. Versicherten?
  • Mein Bonuspunkt: Hausarztmodelle sparen verglichen mit der „normalen“ Krankenversicherung (OKP) seit 20 Jahren Kosten und Prämien, Grössenordnung 15% bzw. aktuell CHF 100 Mio. pro Jahr allein im Kanton Aargau – CHF 25 Mio. Staatsbeiträge an die Spitäler (durch vermiedene Spitaleinweisungen) noch nicht mal eingerechnet. Das sind Grössenordnungen, von denen andere nur zu träumen wagen (Bundesrat Berset lässt grüssen!) oder Kalten Schweiss kriegen (z.B. die SVP bei den Prämienverbilligungen).